Transverse Myelitis
Begonnen hat alles Anfang Juni 2008. Ich wachte morgens auf und hatte kein Temperaturempfinden mehr in meinen Beinen. Meine linke Körperhälfte fühlte sich taub an. Nach einigen Tagen wurden zusätzlich meine Beine immer schwerer.
Die Neurologin vermutete Drogenmissbrauch oder ein Alkoholproblem, ließ sich aber dann doch davon überzeugen, mich einmal zu untersuchen. Sie schickte mich daraufhin ins MRT. Dort wurde im Rückenmark ein ca. vier Zentimeter großer entzündlicher Herd in Höhe HWK7 / BWK1 festgestellt. Anfang Juli kam ich dann ins Krankenhaus nach Allensbach. Bei der dort durchgeführte Lumbalpunktion wurden oligoklonale Banden im Liquor nachgewiesen. Ich bekam eine Cortisonstoßtherapie mit 1000mg Methylprednisolon über vier Tage. Der behandelnde Professor empfahl eine anschließende Reha, die ich mir aber als Freiberufler und Alleinverdiener finanziell nicht leisten konnte.
Nach meiner Krankenhausentlassung zeigte sich eine schleichende Verbesserung, nach ca. sechs Wochen konnte ich wieder laufen und die Sensibilitätsstörungen nahmen ab. Beruflich hatte ich zu der Zeit leider sehr viel Streß, so dass Ende August die Beschwerden wieder zunahmen und ich Mitte September wiederum ins Krankenhaus kam. Der schon bekannte Herd hatte sich reaktiviert und leicht vergrößert. Es folgte eine weitere Cortisonstoßtherapie mit 2000mg Methylprednisolon über vier Tage.
Mittlerweile konnte ich kaum noch laufen, meine Füße kribbelten ständig, beide Beine waren bis zum Knie leicht taub und ich bekam ständig ohne Grund eine Gänsehaut. Nun waren auch Darm und Blase betroffen, ich hatte einen ständigen Harndrang mit Entleerungsschwierigkeiten und litt unter quälender Verstopfung, da das Darm seine Eigenbewegung fast vollständig eingestellt hatte. Ich war ständig müde, antriebslos und leicht reizbar.
Die Diagnose lautete Myelitis und für meine Neurologin war ich damit austherapiert. Sie verschrieb mir noch Krankengymnastik und mit der geäußerten Hoffnung, mich nicht wiederzusehen, wurde ich aus ihren Praxisräumen entlassen.
Mein Alltag gestaltete sich nun äußerst schwierig. Ich konnte allerhöchstens 200m laufen, dann war ich so erschöpft, dass ich zwei Stunden schlafen musste. Selbstverständlich musste ich weiter arbeiten. Ich habe mir dann bei e*Bay einen gebrauchten Aktivrolli besorgt, der mir von den Maßen her glücklicherweise perfekt passte. Der Rollstuhl war eine extreme Erleichterung, ich konnte nun wenigstens wieder das Haus verlassen und mich bei geschäftlichen Besprechnungen konzentrieren, da ich mich nicht vorher beim Laufen völlig verausgabt hatte.
Jetzt – ein gutes halbes Jahr später – habe ich mich mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass die körperlichen Einschränkungen wohl bleibender Natur sind. Meine Laufleistung hat sich weiter verschlechtert und auch die neuropathischen Schmerzen nehmen zu. Es wird wahrscheinlich Zeit, mal wieder den Gang zu einem Neurologen anzutreten, allerdings werde ich der Neurologin ihren Wunsch erfüllen und sie wird mich nicht wieder sehen.

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